Was ist eine Ketose und was bedeutet diese für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes?

Unter dem Begriff „Ketose“ können drei verschiedene Stoffwechselzustände unterschieden werden – die allgemeine Ketose (oder auch Nahrungsketose genannt), die Hungerketose und die Ketoazidose. Bei der Nahrungsketose ist die Energiezufuhr ausreichend um den Energiebedarf zu decken, jedoch werden dem Körper nur wenig Kohlenhydrate bzw. Glukose (z.B. bei einer ketogenen Diät) angeboten, wodurch er teilweise auf Fett als Energiequelle umsteigt. Die Fettsäuren werden dabei in der Leber zu Ketonkörpern umgebaut. Der Zustand der Nahrungsketose ist abzugrenzen von einer Hungerketose, bei der die Ketonkörperbildung durch eine zu geringe Kalorienzufuhr steigt. Ebenso ist eine Nahrungsketose nicht gleichzusetzen mit einer diabetischen Ketoazidose (nur bei insulinpflichtigen Diabetikern, siehe Tabelle). Sie ist eine erstzunehmende Stoffwechselentgleisung, die durch starken Mangel an Insulin hervorgerufen wird.

Wann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Nahrungsketose?

 

  • Sie sind kein insulinpflichtiger Diabetiker.

  • Sie nehmen ausreichend Nahrungsenergie auf um sich und das Baby zu versorgen.

  • Sie haben keine dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel.

Höhere Gefahr für eine Ketose bei Schwangerschaftsdiabetes?

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes stellen häufig fest, dass sie die Kohlenhydrate in ihrer Ernährung stark reduzieren müssen um die Blutzuckergrenzwerte zu erreichen, jedoch wird ihnen dann oft von Ärzten, Hebammen und Diätassistenten Angst vor einer Ketose gemacht (siehe Erfahrungsbericht C. Lavoie). Ich glaube jedoch, dass eine leichte Nahrungsketose bei Schwangerschaftsdiabetes nicht mit einer diabetischen Ketoazidose, die wirklich schnell medizinisch behandelt werden muss, verwechselt werden sollte. Leicht erhöhte Ketonkörperlevel im Urin sind ganz normal bei Schwangeren und nicht besorgniserregend.

 

Dazu noch einige Fakten:

  • Die Level an Ketonkörpern steigen bereits über Nacht (12-18 h ohne Essen) deutlich an; daher sind die Ketonkörperkonzentrationen im Morgenurin von Schwangeren oft erhöht; Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass durch den Abendsnack diese Werte reduziert werden können.

  • Durch Veränderungen im Stoffwechsel haben Schwangere generell höhere Ketonkörperspiegel im Blut als Nicht-Schwangere, besonders auch im 3. Trimester (Felig et al., Metzger et al.).

  • Das liegt an Stofferchslveränderungen, die während der Schwangerschaft stattfinden: zu Beginn der Schwangerschaft ist der Körper bestrebt Nährstoffe und Energie zu horten, während im letzten Drittel die Energie und die Nährstoffe verstärkt dem Ungeborenen zur Verfügung gestellt wird. Während Glukose die Hauptenergiequelle für das Baby ist, werden Fettsäuren das Energiesubstrat für die schwangere Frau (Liu LX und Arany Z et al.). Durch diese Veränderungen werden dann auch mehr Ketonkörper gebildet als vor der Schwangerschaft.

  • Es gibt immer noch traditionelle Kulturen auf der Welt, die sich sehr kohlenhydratarm ernähren (auch in der Schwangerschaft) und auch keine ausgeprägte Ketose bekommen.

  • Erhöhte Ketonkörper im Urin müssen noch nicht auf erhöhte Werte im Blut deuten (Coetzee et al., Spanou et al.); die Aussagekraft von Urinstreifen ist nicht so hoch wie die einer Blutanalyse.

 

Zum Thema Ketose und Schwangerschaft bekommt man ganz oft folgende Informationen zu hören: Zu hohe Ketonkörperwerte wirken sich negativ auf die Gehirnentwicklung aus, führen zu einem geringeren IQ und zu späteren Lernstörungen beim Kind  (Ergebnisse von einer Studie aus dem Jahr 1965 von Churchill et al.) Allerdings beziehen sich diese Ergebnisse lediglich auf eine Studie, bei der Ketonkörper einmalig im Urin gemessen wurden. In weiteren Studien konnten diese Ergebnisse bisher nicht bestätigt werden (Coetzee et al., Freinkel et al.).

Neuste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen sogar, dass in der Plazenta von gesunden Schwangeren höhere Ketonkörperlevel auftreten als im Blut. Darüber hinaus wiesen gesunde Babys im ersten Lebensmonat ebenfalls erhöhte Werte auf (Muneta T et al.). Welche genaue Bedeutung Ketone in der Entwicklung des Babys haben, muss in weiteren Studien geklärt werden, aber sie scheinen weniger gefährlich als ursprünglich angenommen.

 

Was kann man also erst einmal tun wenn erhöhte Ketonkörper-Werte im Urin bzw. im Blut beim Frauenarzt gemessen wurden?

  1. Handelt es sich um den Morgenurin bzw. um den Urin nach einer weggelassenen Mahlzeit? Dann sollte man vor der nächsten Urinabgabe beim Arzt am Besten etwas Essen. Der Snack vor dem Schlafengehen hilft ebenfalls, um morgens nicht so viele Ketonkörper im Urin zu haben.

  2. Oder wurde lange nichts getrunken? Vielleicht ist man ein bisschen dehydriert oder es war heute besonders warm draußen. Dann sollte man am besten vor der nächsten Abgabe etwas trinken.

 

Falls diese Maßnahmen nicht helfen oder Sie sich sonst irgendwie unwohl fühlen, sollten Sie das auf jeden Fall mit Ihrem Arzt besprechen.

Weitere gesunde Ernährungstipps für Schwangere oder Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes gibt es hier.

Mein persönliches Fazit lautet: Ich habe während meiner Ernährungsumstellung meine Kohlenhydratzufuhr deutlich reduziert (<40% der Gesamtenergie, ca. 120-150 g pro Tag) und es wurden bei mir keine erhöhten Ketone über Urinstreifen gemessen. Also probieren Sie es einfach für sich aus.

Quellen:

  1. Buch “Real food for gestational diabetes” von Lily Nichols (2015)

  2. Felig P and Lynch V Starvation in human pregnancy: hypoglycemia, hypoinsulinemia, and hyperketonemia Science 170(3961): 990-2

  3. Metzger BE et al. “Accelerated starvation” and the skipped breakfast in late normal pregnancy. Lancet 1(8272):588-92

  4. Liu LX and Arany T. "Maternal cardiac metabolism in pregnancy." Cardiovascular research 101.4 2014: 545-553

  5. Coetzee EJ et al. Ketonuria in pregnancy- with special reference to calorie-restricted food intake in obese diabetics 1980 Diabetes 29(3): 177-81

  6. Spanou L et al. Ketonemia and ketonuria in gestational diabetes mellitus. 2015 Hormones 14(4): 644-50

  7. Churchill JA et al. Neuropsychological deficits in children of diabetic mothers. A report from the Collaborative Sdy of Cerebral Palsy Am J Obst and Gynecol 1969105(2): 257-68

  8. Freinkel N et al. The 1986 McCollum award lecture. Fuel-mediated teratogenesis during early organogenesis: the effect of increased concentrations of glucose, ketones or somatomedin inhibitor during rat embryo culture. 1986 Am J Clin Nutr 44(6):986-95

  9. Muneta T et al. "Ketone body elevation in placenta, umbilical cord, newborn and mother in normal delivery." Glycative Stress Research 3 2016: 133-140

  10. Lavoie C Gestational diabetes: poke, pee, and eat your carbs 2011 Can Fam Physician 57(7):756-7 (Erfahrungsbericht)

  11. https://www.gestationaldiabetes.co.uk/ketones/

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© 2020 Claudia Miersch. Erstellt mit Wix.com.

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Dr. Claudia Miersch

Ernährungswissenschaftlerin

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