Wieso überschreite ich die Blutzuckergrenzwerte, obwohl ich mich an die Empfehlungen halte?

Um deutlich zu machen, wieso viele Frauen nach dem Essen mit ihrem Blutzucker über den Grenzwerten liegen, möchte ich eine kleine Rechnung anführen.

Ausgangssituation: Als Beispiel nehme ich eine normalgewichtige Frau mit Schwangerschaftsdiabetes (Gewicht: 65 kg, Größe: 1,65 m und BMI: 24). Laut den Empfehlungen sollte die Kalorienzufuhr bei 30-34 kcal/kg Körpergewicht liegen, das macht hochgerechnet auf den Tag 1950-2275 kcal (im Mittel 2112 kcal). Übergewichtigen Frauen wird häufig eine geringere Kalorienzufuhr pro kg Körpergewicht empfohlen, jedoch kommt man aufgrund des höheren Ausgangsgewichts auf einen ähnlichen Kalorienbedarf. Die Gestationsdiabetes-Leitlinie rät Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes, ihre Kalorien zu

  • 40-50 % aus Kohlenhydraten (1 g = 4,1 kcal),

  • 20 % aus Protein (1 g = 4,1 kcal) und zu

  • 30-35 % aus Fett (1 g = 9,3 kcal) aufzunehmen.

Mit Hilfe des Energiegehaltes (siehe Angaben in Klammern), kann man die Prozentangaben in Gramm umrechnen, wodurch man dann bei folgenden Mengen landet:

  • 206-258 g Kohlenhydraten,

  • 103 g Protein und

  • 68-79 g Fett.

Wie verteilen sich diese Kohlenhydrate auf den Tag?

Wenn ich jetzt die berechnete Kohlenhydratemenge von 206-258 g für 40-50 % der Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten auf 3 Hauptmahlzeiten und 3 Snacks aufteile, komme ich zu etwa folgender Verteilung am Tag:

Meine Erfahrungungen

Im Screening-Test mit 50 g Glucose lag mein Blutzucker nach 1 Stunde bei 7,6 mmol/l, d.h. bereits 50 g Glukose haben mich an den Grenzwert gebracht, den man nach 1 Stunde haben soll (und ich weiß auch nicht wie mein Blutzucker vor der Messung war, da ich auch noch Frühstück gegessen habe). Bei Verwendung der 75 g Glukose (im Glukosetoleranztest) lag ich sogar nach 1 Stunde bei 12,1 mmol/l!!! Sicherlich geht reine Glukose super schnell ins Blut, was bei Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index nicht der Fall sein sollte. Jedoch musste ich selber feststellen, dass mit einer normalen Menge 60-70 g Kohlenhydrate pro Mahlzeit die Grenzwerte öfter nicht zu erreichen sind, auch wenn man versucht möglichst Lebensmittel mit niedrigen glykämischen Index einzusetzen. Und das ist oft erst der Anfang, denn die Insulinresistenz nimmt häufig noch bis zum Ende der Schwangerschaft zu.

Das Fazit aus meiner kleinen Rechnung ist für mich: die empfohlenen Mengen (nicht unter 40 % und auf gar keinen Fall unter 175 g Kohlenhydrate) sind für viele Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes nicht immer zu schaffen. Dass Frauen dann zu hohe Werte haben, obwohl sie sich an die Empfehlungen halten, führt zu einer enormen Verunsicherung und womöglich dazu, dass sie im weiteren Verlauf mit Insulin therapiert werden müssen.

Ich habe mir die Kohlenhydrate häufig wie folgt über den Tag verteilt (das sind wirklich nur Richtwerte, an denen Sie sich orientieren können):

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Diese Verteilung ist nur ein Beispiel und Sie können bzw. müssen ausprobieren, wie es für Sie am Besten passt. Aufgrund der höheren Insulinresistenz am Morgen habe ich zum Frühstück oft sehr wenige Kohlenhydrate gegessen. Generell würde ich Ihnen empfehlen, nie Mahlzeiten ohne Kohlenhydrate zu essen, da eine stetige, wenn auch geringere Zufuhr von Kohlenhydraten sich stabilisierend auf den Blutzuckerspiegel auswirken kann (zumindest war das bei mir der Fall).

© 2020 Claudia Miersch. Erstellt mit Wix.com.

Impressum

Dr. Claudia Miersch

Ernährungswissenschaftlerin

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